SW Check Logo
Strategische Bewertung und Planung von Batteriespeichern
Adressierte Fähigkeiten
  • Flexibler Betrieb eigener Erzeugungsanlagen
  • Aktiver Netzbetrieb
Voraussetzungen

Kenntnis der relevanten Last- und Erzeugungsprofile aus Betriebsdaten

Kurzbeschreibung

Ziel der Maßnahme ist die systematische Bewertung und Planung von Batteriespeichern als strategisches Flexibilitätsinstrument für Stadtwerke. Batteriespeicher ermöglichen die zeitliche Entkopplung von Stromerzeugung und -verbrauch, eine wirtschaftlich optimierte Nutzung erneuerbarer Energien sowie die aktive Teilnahme an Energiemärkten. Sie tragen zur Netzstabilität bei, schaffen neue Erlösquellen und ermöglichen eine Reduktion von Leistungsspitzen und damit verbundenen Netzentgeltkosten. In einer Multi-Use-Strategie, bei der mehrere Erlösströme kombiniert werden (z. B. Arbitragehandel, Regelenergiebereitstellung, Peak-Shaving, Eigenverbrauchsoptimierung), entfalten Batteriespeicher ihr volles wirtschaftliches Potenzial und werden zu einem zentralen Baustein der Flexibilitäts- und Dekarbonisierungsstrategie moderner Stadtwerke. Die Maßnahme adressiert vorrangig Batteriespeicher im Leistungsbereich ab ca. 500 kW bis in die MW-Klasse, die auf Erzeugungs- oder Vertriebsseite des Stadtwerks eingesetzt werden. Dabei ist frühzeitig die entflechtungsrechtliche Zuordnung zu klären: Speicher im regulierten Netzbetrieb unterliegen strengen Einschränkungen (§ 11b EnWG), während ein Einsatz auf der Wettbewerbsseite breitere Geschäftsmodelle ermöglicht, jedoch keine Netzentlastung im regulatorischen Sinne abbilden darf. Diese Abgrenzung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines tragfähigen Business Case. Konkret umfasst die Maßnahme eine technische und wirtschaftliche Machbarkeitsbewertung. Geprüft werden die Eignung verschiedener Speichertechnologien für den spezifischen Anwendungsfall, die optimale Dimensionierung unter Berücksichtigung von Degradation und Lebensdauer, der Standort unter Gesichtspunkten der Netzanbindung, Flächenverfügbarkeit und Brandschutzanforderungen sowie die Wirtschaftlichkeit auf Basis kombinierter Erlösströme. Auch regulatorische Anforderungen wie die Präqualifikation für Regelenergiemärkte und die Netzentgeltbehandlung von Speichern werden berücksichtigt. Relevante Förderprogramme werden identifiziert und in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbezogen. Voraussetzung für die Durchführung sind ein klares Verständnis der strategischen Zielsetzung (Flexibilitätsvermarktung, Eigenoptimierung oder Netzresilienz), belastbare Erzeugungs- und Lastdaten sowie Kenntnis der entflechtungsrechtlichen Unternehmensstruktur. Die Maßnahme sollte in die übergeordnete Erzeugungs- und Flexibilitätsstrategie des Stadtwerks eingebettet sein. Ergebnis ist ein Investitionsplan mit technischer Empfehlung zur Speichertechnologie und Dimensionierung, einer Standortbewertung, einem Erlösmodell auf Basis einer Multi-Use-Strategie sowie einer Risikoanalyse (Marktpreisvolatilität, Technologieentwicklung, regulatorische Änderungen). Damit erhalten Stadtwerke eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den Aufbau von Batteriespeicherkapazitäten.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
mittel
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektverantwortliche:r zur Koordination
  • Fachkräfte aus Energieerzeugung, Energiehandel/Vertrieb, Netzplanung/Netzbetrieb sowie Controlling/Finanzen

Materielle Ressourcen:

  • Simulations- und Optimierungssoftware
  • Historische Marktdaten
  • GIS-Daten
Möglicher Ablauf
  1. Abstimmung der strategischen Ziele und Festlegung von Zielgrößen
  2. Auswertung von Last- und Erzeugungsprofilen sowie Netzentwicklung
  3. Vergleich geeigneter Speichertechnologien
  4. Standortbewertung
  5. Berechnung potenzieller Erlösströme und Prüfung relevanter Fördermittel
  6. Risikoanalyse und Regulierung
  7. Investitionsentscheidung
Risiken
  • Marktpreisentwicklung (Senkung der Regelenergiepreise, geringere Arbitrage) reduziert den Business Case signifikant
  • Standortrestriktionen (z. B. Brandschutzauflagen) verhindern die Platzierung am optimalen Netzpunkt
  • Überschätzung der speicherfähigen Flexibilität des Portfolios führt zu einem überdimensionierten und unwirtschaftlichen Speicher
Erfahrungen aus der Praxis