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Aufbau von Flexibilitäts- und Energiemanagement-Dienstleistungen für Gewerbekunden
Adressierte Fähigkeiten
  • Energiedienstleistungen
  • Dynamisches Lastmanagement
Voraussetzungen

Smart-Meter-Rollout im Gewerbekundensegment muss zumindest teilweise erfolgt sein oder kurzfristig realisierbar sein; Zugang zu einer geeigneten EMS-/Flexibilitätsplattform; Gewerbekunden im Versorgungsgebiet, die über steuerbare Anlagen oder relevante Lastverschiebungspotenziale verfügen.

Kurzbeschreibung

Die zunehmende Volatilität der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien, steigende Netzentgelte und dynamischere Preissignale am Energiemarkt machen das aktive Management von Energieerzeugung, -verbrauch und -speicherung für Gewerbekunden wirtschaftlich zunehmend attraktiv. Gleichzeitig verfügen viele Unternehmen über steuerbare Lasten, Eigenerzeugungsanlagen oder Speicher, deren Flexibilitätspotenzial heute ungenutzt bleibt. Stadtwerke können sich hier als Dienstleister positionieren, indem sie Gewerbekunden Energiemanagementsysteme, Lastoptimierung und den Zugang zu Flexibilitätsmärkten als gebündelte Dienstleistung anbieten. Konkret umfasst das Leistungsportfolio typischerweise mehrere Bausteine: Ein Energiemanagementsystem (EMS) erfasst und visualisiert Erzeugungs-, Verbrauchs- und Speicherdaten in Echtzeit und bildet die Grundlage für alle weiteren Optimierungen. Darauf aufbauend ermöglicht Lastoptimierung die gezielte Verschiebung von Verbräuchen in Zeiten günstiger Strompreise oder geringer Netzbelastung. Über die Einbindung in ein virtuelles Kraftwerk oder einen Flexibilitätspool können steuerbare Anlagen des Kunden (z. B. Wärmepumpen, Speicher, Kälteanlagen, Notstromaggregate, Ladeinfrastruktur) gebündelt und am Regelenergie- oder Spotmarkt vermarktet werden. Die so erzielten Erlöse werden zwischen Stadtwerk und Kunde geteilt. Für Stadtwerke bietet dieses Geschäftsfeld mehrere Vorteile: Es generiert wiederkehrende Dienstleistungserlöse mit vergleichsweise geringer Kapitalbindung, stärkt die Kundenbindung durch einen kontinuierlichen digitalen Kontaktpunkt und positioniert das Stadtwerk als kompetenten Partner für die betriebliche Energiewende. Zudem entstehen Synergien mit bestehenden Geschäftsfeldern, da Flexibilitätsdaten auch zur eigenen Netz- und Portfoliooptimierung genutzt werden können. Der Einstieg erfolgt typischerweise über ein Pilotprojekt mit wenigen Gewerbekunden, die bereits über steuerbare Anlagen verfügen (z. B. PV mit Speicher, größere Wärmepumpen oder Kälteanlagen). Wesentliche Voraussetzung ist der Zugang zu einer geeigneten Software- bzw. Plattformlösung für Monitoring, Steuerung und Vermarktung. Diese kann über Kooperationspartner oder spezialisierte Anbieter bezogen werden, was den Eigenentwicklungsaufwand deutlich reduziert. Für eine Skalierung ist die Standardisierung von Onboarding-Prozessen, Schnittstellen und Abrechnungsmodellen entscheidend. Regulatorische Rahmenbedingungen (§ 14a EnWG, Anforderungen an Aggregatoren, Messkonzepte) sind im Wandel und erfordern eine kontinuierliche Beobachtung.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
hoch
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektleitung mit energiewirtschaftlichem und technischem Verständnis
  • Technische Fachkräfte für Messtechnik, Steuerung und Plattformanbindung
  • Vertriebspersonal mit Beratungskompetenz im B2B-Segment
  • Kaufmännische Expertise für Erlösmodelle und Abrechnung
  • Ggf. externe Partner: Plattformanbieter, Aggregator, Messtechnik-Dienstleister

Materielle Ressourcen:

  • Energiemanagement- bzw. Flexibilitätsplattform (Software)
  • Smart-Meter-Infrastruktur und ggf. zusätzliche Sensorik/Messtechnik beim Kunden
  • Steuerungstechnik und Kommunikationsschnittstellen (z. B. zur Anbindung von Speichern, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur)
  • Standardisierte Vertrags- und Onboarding-Vorlagen
Möglicher Ablauf
  1. Analyse des regionalen Flexibilitätspotenzials (Gewerbekundenstruktur, steuerbare Anlagen, Lastprofile)
  2. Auswahl und Anbindung einer Plattformlösung (Eigenentwicklung, Kooperation oder White-Label-Lösung)
  3. Definition des Leistungsportfolios und Entwicklung von Erlös- und Preismodellen
  4. Identifikation und Ansprache geeigneter Pilotkunden
  5. Technisches Onboarding: Installation Messtechnik, Anbindung an Plattform, Parametrierung
  6. Pilotbetrieb mit Monitoring, Optimierung und Erfahrungsdokumentation
  7. Standardisierung der Prozesse (Vertrieb, Onboarding, Betrieb, Abrechnung)
  8. Skalierung und Vermarktung an weitere Gewerbekunden
Risiken
  • Eine zu geringe Anzahl geeigneter Gewerbekunden oder im Versorgungsgebiet oder deren fehlende Akzeptanz führt zu unzureichendem Flexibilitätsvolumen und mangelnder Wirtschaftlichkeit.
  • Regulatorische Änderungen (z. B. bei Aggregatoren-Zulassung, Netzentgeltsystematik oder Messkonzepten) führen zu Planungsunsicherheit und ggf. notwendigen Anpassungen des Geschäftsmodells.
  • Eine Abhängigkeit von einem einzelnen Plattformanbieter führt zu eingeschränkter Handlungsfähigkeit bei Preiserhöhungen, technischen Problemen oder Marktaustritt des Anbieters.
  • Unzureichende Datenqualität oder instabile Kommunikationsverbindungen führen zu Fehlsteuerungen und Erlösausfällen.
  • Interne Zielkonflikte zwischen Netzbetrieb (Netzstabilität) und Vertrieb (Flexibilitätsvermarktung) führen zu Verzögerungen oder eingeschränkten Vermarktungsmöglichkeiten.
Erfahrungen aus der Praxis